Beispiele für Mediationen
- Wenn Ihnen eine gute Lösung für alle Beteiligten wichtiger ist, als nur Ihr Recht um jeden Preis durchzusetzen,
- Wenn Sie eine fairen Prozess suchen, bei dem Sie Ihre Position klar darstellen können,
- Wenn es Ihnen wichtig ist, die Beziehung wiederherzustellen, aber die Klärung des Problems nicht aus dem Auge verlieren wollen,
- Wenn Sie die Kosten und die Dauer eines juristischen Prozesses abschrecken oder Ihnen überzogen erscheinen,
- Wenn Sie und alle beteiligten Personen hinterher gut miteinander auskommen sollen,
…dann kann eine Mediation das geeignete Verfahren zur Konfliktklärung sein.
Hier kommen ein paar Beispiele, bei den Mediation helfen kann:
Hinweis: Diese Geschichten sind fiktiv. Ähnlichkeiten zu realen Situationen sind rein zufällig, aber gut möglich.
Streit in der Familie
Nach außen ist bei Familie Müller noch alles perfekt. Chris und Alex haben gemeinsam viel erreicht. Das Haus steht, der Garten ist perfekt gestylt, das Auto picobello sauber, die Kinder bringen gute Noten in der Schule und im Sportverein sind alle beliebt.
Als der Vater von Alex stirbt, zieht die Mutter mit ins Haus, damit sie nicht mehr alleine leben muss. Bislang hatten sie sich ja auch immer gut verstanden. Die Kinder lieben sie, das Haus ist groß genug und allen erscheint es selbstverständlich, jetzt für die Mutter da zu sein.
Doch dann kommen immer mehr Spannungen in die Familie. Anfangs sind es vereinzelte spitze Bemerkungen der Mutter am Esstisch. Sie werden aber immer mehr, bald weiß keiner mehr, wie sie mit ihr umgehen sollen. Jeder spürt ihre Unzufriedenheit und ihre Klagen. Aber niemand traut sich das offen anzusprechen. Stattdessen kommt es auch zu Streitigkeiten zwischen Chris und Alex und auch die Kinder leiden unter der angespannten Familiensituation. Chris fordert von Alex eine Klärung bevor es endgültig eskaliert.
Chris, Alex und die Mutter beginnen eine Mediation. Hier finden sie einen sicheren Rahmen, in dem alle drei ihre Gefühle, Ängste und Bedürfnisse äußern können. Dadurch können sie sich auf einer tieferen Ebene verstehen und begegnen. Sie diskutieren verschiedene Möglichkeiten durch, wie sie aufeinander eingehen können. Mutter kann im Haus bleiben, aber sie finden Formen und Zeiten, dass jeder seinen eigenen Bereich hat. Gute Grenzen werden definiert und sie finden ein gutes Verhältnis von Nähe und Distanz.
Konflikt im Unternehmen
Seit mehr als fünf Jahren arbeiten Paul und Petra in der selben Abteilung eines mittelständischen Betriebes. Sie hatten zur gleichen Zeit ihre Ausbildung abgeschlossen und waren auch beide übernommen worden. Ihr Umgang war darum schon immer vertraut und freundschaftlich.
Dann wurde Petra zur Gruppenleiterin befördert. Neben einer besseren finanziellen Honorierung, brachte dies auch einen deutlichen Zuwachs an Verantwortung. Petra fühlt sich gedrängt den Erwartungen der Geschäftsleitung zu erfüllen. Gleichzeitig steht sie über Paul in der Hierarchie.
Die Konflikte häufen sich. Petra spürt, dass Paul nur noch mit ihr spricht, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Er beschränkt die Kommunikation auf rein geschäftliche Dinge. Zwar erledigt Paul noch seinen Arbeiten, aber zu mehr als einem „Dienst nach Vorschrift“ ist er offensichtlich nicht bereit. Für ihre Abteilung braucht Petra aber Paul, da seine Expertise nicht ersetzbar ist. Kürzlich kam es dazu noch vor den Kollegen zu einer offenen Konfrontation.
Wie kann Petra das Verhältnis wieder klären? Sie wünscht sich wieder ein vertrauensvolles Miteinander, will aber auch von ihrer Vorgesetztenposition nicht abrücken.
Sie wendet sich an eine Mediationspraxis, Paul erklärt sich auch zu einer Mediation bereit. Im Mediationsgespräch kommen die Interessen, Erwartungen und Enttäuschungen zur Sprache. Mit Hilfe des Mediators suchen sie eine Lösung, die das Miteinander wieder leichter macht.
Wenn es auseinander geht....
Eigentlich war das nicht geplant. Vor 15 Jahren hatten sich Luca und Kim fröhlich das Ja-Wort gegeben. Der Himmel hing voller Geigen. Sie waren ein glückliches Paar, hatten viele Pläne und Wünsche für das gemeinsame Leben. Zwei Kinder komplettierten das Familienglück.
Beruflich war vor allem Luca erfolgreich, aber auch Kim war glücklich. Das gemeinsame Haus war schön geworden, das Leben schien perfekt.
Doch gerade der Hausbau, zusammen mit den intensiven beruflichen Verpflichtungen, dazu noch spezielle Herausforderungen mit dem Sohn, fordern ihren Tribut. Schleichend, aber unaufhaltsam wächst eine Entfremdung des Ehepaares. Beide Ehepartner gehen immer mehr ihre eigenen Wege, leben nur noch nebeneinander her. Spannungen wachsen. Bald sind fast alle ihre Gespräche konfliktbeladen.
Sie suchen eine professionelle Eheberatung auf. Jedoch führt dies nicht zu einer dauerhaften Verbesserung. Die Verletzungen häufen sich.
Während Luca sich immer mehr in die Arbeit und in zeitintensive Hobbys vergräbt, reift bei Kim der Entschluss, dass es keine gemeinsame Zukunft mehr geben kann. Der Entschluss steht, die Trennung kommt. Kim nimmt die Kinder und zieht aus.
Nach einiger Zeit der Orientierung und des Akzeptierens der neuen Situation, versuchen beide einen möglichst vernünftigen Weg durch die Trennung zu beschreiten. Es ist vieles zu klären und aufzuteilen. Wer bekommt den Hund, wer nimmt das Haus, wie gestalten sie den Umgang mit den Kindern, usw.
Eine Freundin von Kim rät den Kontakt zu einem Mediator zu suchen. Dort können sie viele Sache regeln. Vom Hund bis zum Haus können sie eine einvernehmliche Lösung finden. Nach der Mediation lassen sie es sich ihre Vereinbarung beim Notar rechtsverbindlich machen.
Damit sind die allermeisten Streitpunkte geklärt, so dass sie viel Geld beim Gericht sparen. Der Prozess wird einfacher und schneller und vor allem weniger konfliktbeladen. Dies hilft vor allem den Kindern auch nach der Trennung zu beiden Elternteilen weiterhin eine gute Beziehung zu pflegen.
Im Rückblick sind beide traurig, dass ihr ursprünglich erträumtes Leben so zerbrochen ist. Aber dadurch, dass die Mediation ihnen geholfen hat einen für beide gut gehbaren Weg zu finden, haben sie wieder ein „Ja“ zu einer neuen Zukunft gefunden.
Krach in der Nachbarschaft
Familie Meier wohnt in ihrem Ort seit vielen Generationen. In ihrer Straße gibt seit langem ein gutes Miteinander. „Leben und leben lassen“ ist das Motto. Man kennt sich, auch die Macken, die jeder:r so mitbringt, sind bekannt und akzeptiert. Gespräche am Gartenzaun und freundliches Grüßen sind üblich. Gelegentliche Feiern im Sportverein oder Feuerwehr schaffen immer wieder ein Gemeinschaftsgefühl.
Die Straße ist sauber und gepflegt, man achtet aufeinander, dass alles ordentlich bleibt.
Doch dann kommt es beim Feuerwehrfest zu einem Streit. Herr Meier gerät mit seinem Nachbarn, dem Vorstand der Feuerwehr, aneinander. Ein Wort gibt das andere, am Ende weiß keiner mehr, was eigentlich der Anlass war, aber voller Wut tritt Herr Meier aus der Feuerwehr aus.
Der Streit zieht Kreise. Einzelne andere Anwohner tun es Herrn Meier gleich, es kommt zu einem Riss in der Gemeinschaft. Es entwickeln sich mehrere Parteien. Misstrauen wächst. Man redet übereinander, statt miteinander.
Ein Apfelbaum an der Grundstücksgrenze wird zum Streitpunkt zwischen Herrn Meier und dem Nachbarn. Die Äpfel des Nachbarn, die auf sein Grundstück fallen, waren noch nie ein Problem. Jetzt aber führen sie zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen den beiden.
Frau Meier hat genug, sie will was dagegen tun. Sie schlägt eine Mediation vor. In der Mediationsverhandlung werden die verschiedenen Interessen, Befindlichkeiten und Verletzungen angesprochen. Dies öffnet den Nachbarn wieder den Blick für einander. Sie entdecken auch, dass sie mehr verbindet, als das sie trennt. Sie finden eine Lösung für den Apfelbaum, vor allem aber wächst wieder Vertrauen zueinander und sie schaffen es das Kriegsbeil zu begraben.